Dentista Club

SCHMERZ: Frauen empfinden anders

News vom 27. August 2010

Doch das starke Geschlecht: Männer ignorieren Schmerz - Frauen suchen Trost

Wer ist schmerzempfindlicher, Männer oder Frauen? Eine Frage, die zwischen den Geschlechtern immer wieder für Zündstoff sorgt. Die Gesundheitsexperten der Central Krankenversicherung klären auf: "Männer ertragen Schmerz besser als Frauen. Letztere entwickeln dafür effizientere Strategien, um mit Schmerzen umzugehen". Untersuchungen zeigen zudem: Nicht nur Männer wollen das andere Geschlecht durch ihre Zähigkeit beeindrucken. Auch Frauen scheinen Schmerzen bedeutend länger auszuhalten, wenn ein Mann anwesend ist.

Verschiedene Experimente widerlegen das Klischee vom männlichen Jammerlappen und der zähen Frau: Die weiblichen Teilnehmerinnen einer Studie der Universität Mainz äußerten ihre Schmerzen bereits bei einer niedrigeren Reizschwelle als ihre männlichen Pendants. Weitere Versuche zeigten, dass Männer ihre Schmerzen auch über einen längeren Zeitraum ertragen konnten als Frauen.

Bei den Frauen wirkten sich die Schmerzen dafür weniger stark auf die Stimmungslage aus als bei Männern. Dies hängt auch mit der Art und Weise zusammen, wie beide Geschlechter mit Schmerzen umgehen. "Frauen suchen eher Trost bei anderen Menschen, während Männer versuchen, Schmerzen zu ignorieren oder sich in Durchhalteparolen üben - vor allem, wenn Frauen anwesend sind", erläutert Dr. med. A. Michael Überall, Experte der Central Krankenversicherung und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie. In Gegenwart von Männern beißt jedoch auch das weibliche Geschlecht die Zähne zusammen: So hielten sowohl ein Mann als auch eine Frau ihre Hand etwa doppelt so lange in Eiswasser, wenn eine Person des jeweils anderen Geschlechts zugegen war.

Gründe für die niedrigere Schmerzschwelle von Frauen:

Evolutionsbiologische Faktoren: Frauen sind evolutionsbiologisch für Schutz und Versorgung des Nachwuchses zuständig. Diese Fürsorge geht einher mit einer höheren Sensibilität für die Warnsignale des eigenen Körpers.

Soziale Faktoren: Die unterschiedlichen Geschlechterrollen beeinflussen nach wie vor die Art, Schmerzen zu äußern. Bereits im Kindesalter wird von Jungen erwartet, dass sie ihre Schmerzen kontrollieren.

Biologische Faktoren: Frauen haben eine dünnere Haut. Dadurch erreichen Schmerzreize leichter die körpereigenen Rezeptoren und werden stärker wahrgenommen. Zudem funktionieren schmerzhemmende Mechanismen bei Männern deutlich effizienter.

Hormonelle Faktoren: Das männliche Geschlechtshormon Testosteron dämpft die Wirkung von Schmerzreizen. Das wichtigste weibliche Sexualhormon, Östrogen, hingegen steigert das Schmerzempfinden sogar.

Unter www.central.de/rundum-gesund erfahren Sie, wer - Frau oder Mann - bei welcher Schmerzart empfindlicher ist.

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KINDER UND MEDIKAMENTE: Eltern dosieren Arzneisäfte häufig falsch

News vom 23. August 2010

Eltern sollten sich vom Apotheker zeigen lassen, wie sie Arzneisäfte für ihre Kinder korrekt dosieren. Beim Abmessen von Flüssigkeiten kommt es häufig zu unbeabsichtigten Fehldosierungen. Dies zeigt eine Studie aus den USA, bei der 300 Mütter oder Väter gebeten wurden, 5 Milliliter eines Saftes mit verschiedenen Dosierhilfen abzumessen. Besonders ungenau war das Abmessen mit Dosierbechern: Jede vierte Dosis überschritt die gewünschte Menge um mehr als 40 Prozent. Am besten schnitten Tropfer und Spritzen ohne Adapter ab.

"Kinder brauchen oft nur sehr kleine Mengen eines Arzneisaftes. Gerade diese wenigen Milliliter lassen sich aber oft nur schwer korrekt abmessen. Die richtige Dosis ist aber sehr wichtig", so Friedemann Schmidt, Vizepräsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Das gilt besonders für Arzneisäfte mit stark wirksamen Substanzen oder großem Risikopotential. Sowohl Unter- als auch Überdosierungen sollten vermieden werden. Zum Beispiel kann es bei einer Unterdosierung eines Antibiotikasaftes zu Resistenzen kommen. Mit einer Überdosierung steigt das Risiko für Nebenwirkungen.

Die korrekte Dosierung wird durch Dosierhilfen erleichtert. Vielen Arzneisäften liegen Messgefäße oder -löffel bei. Einige dieser Messlöffel sollten geneigt werden, damit die korrekte Dosis abgelesen werden kann. Außerdem gibt es in der Apotheke spezielle Dosierspritzen. Arzneisäfte sollten grundsätzlich nicht mit Tee- oder Esslöffeln abgemessen werden, da diese je nach Besteckfabrikat unterschiedlich groß sind. Die Angabe einer Dosis in Haushaltslöffeln dient nur dazu, das Volumen zu veranschaulichen: So bedeutet "ein Teelöffel" 5 Milliliter, "ein Esslöffel" 15 Milliliter. Die Dosis sollten Eltern aber immer mit einer geeigneten Dosierhilfe abmessen.
> Studie: Yin, H.S. et al: Parents' Medication Administration Errors. Arch Pediatr Adolesc Med. 2010; 164(2) 181-186
www.abda.de

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STAMMZELLEN: Nachwachsen zerstörter Gelenke

News vom 01. August 2010

 

BILD: Hase: Forschern gelingt Gelenkaustausch (Foto: Peter Fenge/pixelio.de)

Stammzellen lassen kaputte Gelenke nachwachsen // Versuchstiere konnten sich wieder ganz normal bewegen

Wissenschaftler des Columbia University Medical Center haben ein Verfahren entwickelt, das es künftig ermöglichen soll, gebrochene oder erkrankte Gelenke wieder wachsen zu lassen. Dem Team um Jeremy Mao ist es gelungen, mithilfe von Stammzellen bei Hasen das Oberschenkelgelenk einer der vorderen Gliedmaßen zu erneuern.

Damit konnten erstmals die vollständige Oberfläche eines Gelenks und die Funktionsfähigkeit wieder hergestellt werden. Profitieren sollen vor allem Patienten mit Erkrankungen der Hüften, der Schultern und der Knie.

Stammzellen anziehen

Die Wissenschaftler entfernten bei zehn Hasen die Gliedmaßen und ersetzten sie mit einem künstlichen Skelett. Dieses Skelett wurde mit Chemikalien versehen, die Stammzellen anziehen, die Knochen und Knorpel bilden können. Nach vier Wochen verfügten die Tiere wieder über ihre Gelenke und bewegten sich normal.

Mao betonte, dass der Einsatz der Stammzellen des eigenen Körpers zu konkreten klinischen Anwendungen führen kann. Durch die Tests mit den Hasen sei auch bewiesen, dass dieser Behandlungsansatz wirklich funktioniert. Seit Jahren werden viele Arten von Gewebe mit Hilfe von Stammzellen hergestellt, allerdings im Labor.

Gewebe innerhalb von Tieren

Die Menge des gewonnenen Gewebes war laut BBC immer relativ gering und verfügte weder über Venen noch Arterien für die Blutversorgung. Zuletzt gelang es Wissenschaftlern, Gewebe auch innerhalb von Tieren entstehen zu lassen. Die aktuelle Untersuchung ist die erste, bei der es gelungen ist, eine große Menge Knochenmasse und Gewebe in funktionsfähige Gelenke umzuwandeln.
pte

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ENTWICKLUNG: Stress-Detektor

News vom 01. August 2010

Neuer Detektor für Stress und Depressionen // Universität Trier

Auf rund 65 Milliarden Euro belaufen sich die jährlichen Kosten, die in Deutschland durch psychische Erkrankungen entstehen. Stress, Depressionen und Burn-Out haben sich zur Volkskrankheit Nummer eins entwickelt. Bis zu 90 Prozent der psychischen Erkrankungen werden von Hausärzten behandelt, die aber die wahren Ursachen häufig nicht erkennen. Das könnte sich ändern. Einem Forscherteam der Universität Trier ist es gelungen, ein Set zu entwickeln, das die Auslöser psychischer und psychosomatischer Beschwerden aufdeckt. Dadurch können die Krankheiten effektiv behandelt werden.
Stress, Burnout, Depression: Psychische Probleme haben sich zur Volkskrankheit Nummer eins und zu einem enormen Kostenfaktor für das Gesundheitssystem und die Arbeitswelt entwickelt. Das Dilemma: Viele Erkrankte wissen nicht, dass ihre Beschwerden psychisch bedingt sind. Der Arztbesuch hilft oft nicht weiter. Allgemeinmediziner behandeln zwar bis zu 90 Prozent aller depressiv Erkrankten, erkennen die Auslöser aber häufig nicht. Das könnte sich grundlegend ändern. An der Universität Trier hat eine Forschergruppe unter Leitung des Psychobiologen Prof. Dirk Hellhammer eine Methode entwickelt, um die wahren Ursachen solcher Störungen frühzeitig aufzudecken, sodass Ärzte sie effektiv behandeln können. Patienten in Rheinland-Pfalz haben als erste die Chance, das neu entwickelte, aber bereits ausgiebig getestete „Neuropattern-Verfahren“ kostenfrei und weitgehend selbstständig anzuwenden. Bei der Behandlung können sie später aktiv mitarbeiten.
Das Ergebnis von zehn Jahren Forschungsarbeit steckt in einem Karton der Größe eines Schul-Atlasses: 16 Röhrchen, eine Tablette, ein Mini-EKG, ein Fragebogen. Mehr braucht es nicht, um psychischen Erkrankungen auf die Schliche zu kommen. „Unsere Methode misst biologische Signale und setzt sie in Beziehung zu psychischen und körperlichen Stressreaktionen. Unser Ziel ist es, sie zu diagnostizieren und dabei zu helfen, sie individuell zu behandeln“, erläutert Prof. Hellhammer das Verfahren allgemeinverständlich. „Neuropattern ist auch weltweit der erste Versuch, das Wissen der Grundlagenforschung systematisch in die Patientenversorgung einzubringen. Wir hoffen, dass auf diese Weise eine nachhaltige Verbesserung von stresskranken Patienten erreicht werden kann.“
Über teilnehmende Hausärzte, die mögliche Ausschlusskriterien ihrer Patienten prüfen, kann das Neuropattern-Set angefordert werden. Nach einer Einweisung führt der Erkrankte die erforderlichen Tests - überwiegend per Speichelproben - zu Hause durch. Die Auswertungen der Proben und Messungen dienen als Grundlage für eine erfolgreiche Therapie. Patienten können die Behandlung aktiv unterstützen. Sie erhalten Zugang zu einem Online-Service mit individuellen Angeboten zur Selbsthilfe, die auch Wartezeiten für psychotherapeutische Behandlungen überbrücken sollen.
Das nun vorliegende Neuropattern II-Set wurde innerhalb von acht Jahren auf der Basis der Daten von mehr als 2200 Patienten und Probanden erfolgreich entwickelt. Mit Hilfe von Patienten mit psychischen und psychosomatischen Beschwerden soll jetzt die Effizienz der Neuropattern wissenschaftlich belegt werden. Knapp 20 Mediziner im ganzen Landesgebiet sind Ansprechpartner. Patienten können aber auch ihren Hausarzt zur Teilnahme an der Studie auffordern.
Wie teuer die Volkswirtschaft Gesundheitsstörungen durch Stress zu stehen kommen, zeigen einige Zahlen. Rund 65 Milliarden Euro kosten jährlich Arztbesuche, Medikamente und Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund von Stress und Depressionen. Knapp 38 Prozent aller Frührentner wurden 2009 in Deutschland wegen psychischer Erkrankungen vorzeitig in den Ruhestand geschickt. 1993 waren es mit 15 Prozent nicht einmal halb so viele. Auch die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme hat sich seit 1990 verdoppelt. „Das kann sich nur ändern, wenn psychische und psychosomatische Gesundheitsstörungen frühzeitig und effizient von den Ärzten behandelt werden, die die Primärversorgung dieser Patienten durchführen“, sagt Hellhammer.
Ausführliche Informationen und eine Liste der teilnehmenden Hausärzte per Mail: office@neuropattern.de oder im Internet unter http://www.uni-trier.de/index.php?id=5678.
idw

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EIERSTOCKKREBS: Stresshormone fördern Tochtergeschwülste

News vom 01. August 2010

Stress fördert Eierstockkrebs // Stresshormone helfen den Tumorzellen Tochtergeschwülste zu bilden

Stress erleichtert die Bildung von Metastasen des Eierstockkrebses. US-Wissenschaftler haben einen Mechanismus entdeckt, der diesen Zusammenhang erklärt, berichtet die "Apotheken Umschau". Stresshormone wie Adrenalin unterdrücken demnach das Absterben von Krebszellen, die sich aus dem Tumorverband lösen und in den Körper ausgeschwemmt werden. Normale Körperzellen sterben ab, wenn sie nicht mehr in ihr Organ eingebunden sind. Bei Krebszellen ist diese Form des "programmierten Zelltodes" ohnehin schon geschwächt. Stresshormone unterdrücken das Absterben zusätzlich und machen die Ansiedlung von Metastasen dadurch wahrscheinlicher.

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PRODUKTTIP: Schuppenflechte / Spezialstoff reizt Haut nicht

News vom 01. August 2010

 

BILD: Spezialstoff: Tepso soll Schuppenflechten-Patienen das Leben erleichtern (Foto: tepso.it)

Einen neuartigen Unter- und Oberbekleidungsstoff für Psoriasis-Kranke (Schuppenflechte) hat der Textilhersteller Lenzi Egisto SpA auf den Markt gebracht. Der Spezialstoff besteht aus einer fluorhaltiger Kunstfaser und ist besonders glatt. "Die wegen der Schuppenflechte extrem empfindliche Haut wird damit weitgehend vor Überreizung geschützt", erklärt Geschäftsführer Roberto Fenzi. "In Europa gibt es 13 Mio. Menschen, die an dieser lästigen Hautkrankheit leiden." Ihnen soll das Leben angenehmer gemacht werden.

Garn aus der Augenchirurgie

Ausgangsmaterial ist ein hoch verdichtetes Kunstgarn, das bisher nur in der Augenchirurgie verwendet wurde. Es ermöglicht die Herstellung eines wasserabstoßenden und luftdurchlässigen Gewebes mit einem Reibungskoeffizient, der nahe bei Null liegt. Die Angebotspalette reicht von Unterwäsche und leichter Bekleidung bis zu Bettwäsche und Kleidungsstücken mit einem Außenbelag aus Kammgarn.

Stoff weist Fett ab

Die Ladenpreise pro Bekleidungsstück bewegen sich zwischen 20 und 70 Euro. "Das mag sich sehr viel anhören," lenkt Fenzi ein. "Doch ihre Verwendung bedeutet für die Patienten ein halbe Tube Hautsalbe weniger am Tag. Die kostet immerhin 16 Euro je Packung." Das verwendete Garn ist fettabweisend, weshalb die teure Salbe nicht von der Kleidung absorbiert wird, erklärt der Geschäftsführer. Bei der aus dem Spezialstoff gefertigten Kleidung achten die Designer zudem darauf, dass alle Nähte und Etiketten nach außen gekehrt sind.

Alle Stoffe sind im Städtischen Krankenhaus von Prato, im Centro Gised in Bergamo sowie an der Uniklinik Tor Vergata in Rom und dem Krankenhaus San Raffaello in Mailand erfolgreich getestet worden. Für ihre Vermarktung ist die weltweit patentrechtlich geschützte Handelsmarke "Tepso" http://www.tepso.it gegründet worden.
Quelle: pressetext.austria

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GEO: "Blau gegen Männchen"

News vom 27. Juli 2010

BIOLOGIE: Blau gegen Männchen

Grelle Farbe macht Froschmännchen normalerweise für das andere Geschlecht attraktiv. Bei Balkanmoorfröschen ist das anders. Wie das Magazin GEO in seiner August-Ausgabe berichtet, soll deren leuchtendes Blau während der Balz nicht die bräunlichen Weibchen anziehen, sondern andere, zudringliche Männchen fernhalten. Denn um die Gelegenheit zur Paarung nicht zu verpassen, stürzen sich die Männchen vieler Froschlurcharten normalerweise auf fast alles, was etwa die Größe eines Weibchens hat. Bei ihrer Suche umklammern sie deshalb auch andere Männchen und nicht selten sogar Bierdosen oder tote Fische. Bei Rana arvalis wolterstorffi sind Fehlpaarungen mit Männchen selten; als Grund kommt aus Sicht der Forscher nur das Blau infrage, das offenbar vor solch vergeblicher Liebesmüh schützt.

Die aktuelle Ausgabe von GEO ist ab sofort im Handel erhältlich, hat 158 Seiten und kostet 6,30 Euro.

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KREBS: Psyche höchstens mittelbar involviert

News vom 09. Juli 2010

Psyche hat höchstens indirekten Einfluss auf die Krebsentstehung

Viele Menschen, die an Krebs erkranken, suchen nach Gründen für ihr existenzbedrohendes Leiden. Nicht wenige machen sich selbst verantwortlich für die schlimme Diagnose oder führen psychische Faktoren an - etwa Stress, Perfektionismus oder Gefühle der Hoffnungslosigkeit. So sind beispielsweise vier von zehn Brustkrebspatientinnen der Überzeugung, dass übermäßiger Stress zu ihrer Erkrankung geführt habe. Wie ein Experte nun in der Fachzeitschrift „PiD Psychotherapie im Dialog" (W. Söllner: Psyche und Krebs. Können psychosoziale Faktoren Krebs verursachen oder den Verlauf von Krebserkrankungen beeinflussen? PiD Psychotherapie im Dialog 2010; 11 (2): S. 145-150) darlegt, mangelt es jedoch an überzeugenden Belegen für psychische Auslöser bei Krebserkrankungen.

„Der Einfluss psychischer Faktoren wie etwa Stress, Lebenskrisen oder Depressionen auf das Zustandekommen einer Krebserkrankung ist möglich, biologisch erklärbar, aber empirisch nicht gesichert", so Professor Dr. med. Wolfgang Söllner, Arzt am Universitätsklinikum Nürnberg. Die Studienlage sei widersprüchlich und inhomogen.

Manche Hoffnungen der psychosomatischen Forschung hätten sich nicht erfüllt. Beispielsweise sei es nicht möglich, die Überlebenswahrscheinlichkeit durch Psychotherapie oder psychosoziale Unterstützungsangebote zu steigern - anders lautende Befunde aus den frühen 90er Jahren haben sich als falsch erwiesen oder konnten nicht repliziert werden. „Die allzu optimistischen Erwartungen, dass Psychotherapie zu einem längeren Überleben mit Krebs oder gar zu einer Heilung beitragen könnte, wurden damit auf den Boden der Realität zurückgeholt."

In umfangreichen Metaanalysen ließ sich bislang kein kausaler Zusammenhang zwischen Psyche und Krebs nachweisen. Dennoch, so Söllner, haben psychische Komponenten einen mittelbaren Einfluss auf den Verlauf der Krankheit und auf die vom Patienten gewählte Bewältigungsstrategie. Erkrankt beispielsweise eine depressiv veranlagte Frau an Brustkrebs, so kann bei ihr die Bereitschaft verringert sein, eine Chemotherapie durchzustehen. Diese verminderte Mitarbeit bei der Krebsbehandlung reduziert dann möglicherweise ihre Überlebenschance. Wissenschaftlich belegt ist auch, dass Depressive eher Verhaltensweisen an den Tag legen, die das Krebsrisiko erhöhen. Im Gegensatz zu psychisch gesunden Personen gehen sie seltener zu Vorsorgeuntersuchungen, konsumieren mehr Alkohol und rauchen stärker.

Die Persönlichkeit eines Menschen hat folglich keinen direkten, sondern einen indirekten Einfluss auf die Entstehung von Krebs. Ein weiteres Beispiel aus der Forschungsliteratur: Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung neigen dazu, sich UV-Strahlung länger ungeschützt auszusetzen als „normale" Personen. Die Folge: Sie erkranken häufiger an Hautkrebs. Solche indirekten Einflüsse will die Wissenschaft in Zukunft stärker erforschen - und verstehen lernen.

Lange Zeit postulierten Forscher eine so genannte „Krebspersönlichkeit". Dieses Konzept geht auf die US-Wissenschaftlerin Lydia Temoshok zurück. Sie glaubte, dass jene Menschen eher an Krebs erkranken, die ihre Gefühle unterdrücken, pessimistisch sind und wenig selbstbestimmt handeln. Doch mittlerweile ist belegt: Eine Krebspersönlichkeit gibt es nicht.

Dennoch neigen Betroffene dazu, ihre Krankheit psychologisch zu deuten. Das kann einerseits sinnvoll sein, um der Erkrankung einen tieferen Sinn zu geben und um die Lebensziele neu zu bestimmen, so Söllner. Andererseits führt eine solche Haltung häufig zu Schuldgefühlen. Schließlich herrsche in der Öffentlichkeit der Irrglaube vor, man könne mit Kampfgeist und positivem Denken den Krebs niederringen. Wem das aber nicht gelinge, der sei anfällig für Versagens- und Schuldängste, meint Söllner. Aufgabe von Psychotherapeuten sei es deshalb, das subjektive Krankheitsverständnis von Krebspatienten zu verstehen und ernst zu nehmen - und die Wirkkraft der Psyche realistisch einzuschätzen.

Quelle: PiD Psychotherapie im Dialog" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010)
www.frauenarzte-im-netz.de

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